7. Hamburger Fachtagung- Bericht

"Schimmelpilze in Innenräumen"
Bauliche Ursachen - Beseitigung - Folgen

 

Neue Erkenntnisse und Leitlinien für die Schimmelvermeidung und -beseitigung7. Hamburger Fachtagung "Schimmelpilze in Innenräumen"

 

Rechtzeitig zu Beginn der „Schimmelsaison“ versammelten sich am Donnerstag, den 10. November 2016 rund 200 Interessierte im Großen Saal des Emporio Tower zur 7. Hamburger Fachtagung „Schimmelpilze in Innenräumen“. Die interdisziplinär ausgerichtete Tagung des Regionalverbands Umweltberatung Nord e.V. begann mit einer technischen Herausforderung für das Organisationsteam. Der mit Spannung erwartete Prof. Dr. Heinz-Jörn Moriske vom Umweltbundesamt in Berlin, der den neuen UBA-Schimmelleitfaden vorstellen sollte, hatte sich am Tag zuvor verletzt und konnte nicht anreisen. Seine Kollegin, Dr. Kerttu Valtanen, aus dem Umweltbundesamt übernahm den Vortrag per Telefonschaltung direkt aus ihrem Büro in Berlin. Sie schaffte es, auch unter diesen schwierigen Bedingungen die Neuerungen in diesem grundlegenden Leitfaden gegenüber den älteren Leitfäden übersichtlich darzustellen und beantwortete die Fragen des Publikums dazu.

7. Hamburger Fachtagung "Schimmelpilze in Innenräumen"

Der neue UBA-Schimmelleitfaden, der in 2017 erscheinen soll, wird die alten Leitfäden ersetzen und soll ebenso wie diese, den Rahmen setzen für ein bundesweit einheitliches Vorgehen bei Schimmelbefall. Neu ist, dass der Leitfaden auch für Österreich und möglicherweise auch für die Schweiz gelten wird. Ebenso neu ist die Begriffsdefinition des UBA. Der Begriff „Schimmel“ unfasst zukünftig nicht nur Schimmelpilze, sondern auch Bakterien und Hefen, da diese häufig gemeinsam vorkommen. Um unterschiedliche Empfehlungen der Sachverständigen zu vermeiden, führt das UBA sogenannte Nutzungsklassen für Räume ein. Es unterscheidet zwischen Aufenthaltsräumen, Nebenräumen und abgeschotteten Hohlräumen. Hier gelten jeweils unterschiedliche Anforderungen. Weitere Neuerungen betreffen die fachgerechte Sanierung sowie die Einschätzung von Biozidbehandlungen.

Diesen letzten Punkt behandelte Dr. Constanze Messal vom Rostocker Labor für mikrobielle Prozesse und Materialkunde ausführlicher in ihrem anschließenden Referat. Sie stellte eindringlich dar, dass eine Biozidbehandlung, also das gezielte Abtöten von Krankheits- oder Fäulniserregern, in der Regel keine geeignete Sanierungsmethode für Schimmelpilzbefall in Gebäuden ist. Zum einen werden nur etwa 85 Prozent der Mikroorganismen getötet, so dass gerade die widerstandsfähigsten Begleitende Fachausstellungüberleben und sich sofort wieder ausbreiten können. Zum anderen bleibt die Biomasse vorhanden, die weiterhin gesundheitliche Probleme verursachen kann.

 

Um die gesundheitliche Relevanz von Schimmelpilzbefall ging es auch in dem darauf folgenden Vortrag von Umweltmediziner Prof. Dr. med. Gerhard A. Wiesmüller. Dass dies ein Feld der Medizin ist, in dem noch viel geforscht werden muss, wurde dem Publikum schnell klar. Es wurde zwar mehrfach in Studien ein Zusammenhang zwischen Schimmelbefall in Räumen und allergischen Erkrankungen gefunden, genaue Ursache-Wirkungsbeziehungen sind jedoch noch nicht bekannt. Allergietests erfassen häufig nicht die in Wohnräumen wichtigen Schimmelpilzarten.

Verschiedene Verfahren zur staubarmen und schnellen Entfernung von Schimmelpilzbefall stellte Jens Lupmann von der Firma ASUP aus Seevetal vor. Direkt daran schloss der Vortrag von Umweltingenieur Dr. Uwe Koop an, der den Anwesenden eindrücklich vor Augen führte, dass asbesthaltige Putze, Spachtelmassen, Fliesenkleber und Anstriche jahrelang in großem Umfang verwendet wurden. In etwa jeder dritten Wohnung muss daher mit dem Vorhandensein von Asbest gerechnet werden. Da bei einer Schimmelsanierung, aber auch schon bei der Untersuchung, ganz unvermeidlich Staub – aus möglicherweise asbesthaltigen Bauteilen - freigesetzt wird, sind Gutachter und Sanierer mit einem bislang wenig beachteten Problem konfrontiert. Fachausstellung

Anschließend erläuterte der Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht Jochen Kern die schwierige Situation für Käufer und Verkäufer von Immobilien. Er stellte die aktuelle Rechtssprechung vor, nach der Verkäufer umfassend über den Zustand ihrer Immobilie informieren müssen. Im Bezug auf einen früheren Schimmelschaden lautet seine Empfehlung an Verkäufer gegebenenfalls mit einem Gutachten über die fachgerechte Sanierung zu informieren und dies auch zu dokumentieren. Kaufinteressenten empfiehlt er umfassend nach allen Umständen zur Immobilien zu fragen.

Um das Pro & Contra von Lüftungsanlagen in Wohnungen und Einfamilienhäusern ging es in dem Referat von Dr.-Ing. Christian Lerche aus Pirna. Er zeigte, dass die Anforderungen der Energieeinsparverordnung 2016 für ein Einfamilienhaus mit Wärmedämmung und Luftdichtheit nur durch den Einbau einer Lüftungsanlage zu erfüllen sind. Aufgrund der Luftdichtheit der Gebäude reicht zum Beispiel in einem typischen Schlafzimmer der Luftaustausch durch Ritzen und Fugen schon ab zwei dort nächtigenden Personen nicht mehr aus, um die Nacht in gesunder Luft verbringen zu können. Zusätzliche Lüftung ist nötig.

Zum Abschluss wDiskussion der Vorträgeies die Diplom-Ingenieurin Pia Haun darauf hin, dass es beim Neubau immer häufiger zu Schimmelproblemen komme. Pro m² Wohnfläche werden beim Bauen etwa 90 Liter Wasser durch Mörtel, Gips, Estrich, Putz und andere Baustoffe eingebracht. Dabei benötigt Beton bis zu 2 Jahre zum Trocknen. Ihr Ablaufplan für das Feuchtemanagement in der Bauphase soll allen Beteiligten helfen, Schäden zu vermeiden. Wenn es schon passiert ist, hilft ihr Notfallplan weiter.

Durch den Tag führte in gewohnt unterhaltsamer Weise Diplom-Ingenieurin Brigitte Harste vom Regionalverband Umweltberatung Nord. Die Fachtagung bot den Teilnehmern erneut die Möglichkeit, quer über alle Disziplinen miteinander ins Gespräch zu kommen sowie sich in der begleitenden Fachausstellung über Analytik, Sanierung und Vorbeugung von Schimmelpilzbefall zu informieren. Alle Vorträge der Tagung sind in einem Tagungsband zusammengefasst, der zum Preis von 15 Euro (inkl. Versand) beim Regionalverband Umweltberatung Nord e.V. per Mail an info@umweltberatung-nord.de bestellt werden kann.

Die Tagung wurde vom Umweltbundesamt, der Hamburger Behörde für Umwelt und Energie und zahlreichen Hamburger Verbänden unterstützt.

Tagungsprogramm:

Flyer Fachtagung 2016

Presse

Pressemitteilung vom 04.04.2016
Pressemitteilung vom 05.10.2016
Pressemitteilung vom 22.11.2016

Veranstalter:

Regionalverband Umweltberatung Nord e.V. und
Bundesverband für Umweltberatung e.V. (bfub)

Mitveranstalter:

Ausbildungszentrum Bau, Behörde für Umwelt und Energie (BUE), Berufsverband Deutscher Baubiologen VDB e.V., Bundesverband der Brand- und Wasserschadenbeseitiger e.V., Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V., Deutsches Energieberater Netzwerk DEN, Grundeigentümer-Verband Hamburg von 1832 e.V., Interessenverband Mieterschutz e.V., Mieter helfen Mietern Hamburger Mieterverein e.V., Mieterverein zu Hamburg, Netzwerk Schimmelberatung Hamburg, Umweltbundesamt, VDI - Arbeitskreis Bautechnik, Arbeitskreis Technische Gebäudeausrüstung, Arbeitskreis Umweltschutztechnik, Verband Wohneigentum Hamburg e.V., VNW Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V. Verbraucherzentrale Hamburg, ZEBAU GmbH, ZEWU der Handwerkskammer Hamburg

Weitere Informationen:

E-Mail: tagung@umweltberatung-nord.de